Kreisverband Darmstadt
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Zehn Schmetterlinge ganz nah

Die folgenden zehn Schmetterlinge sind auffällig, leicht selbst zu bestimmen und kommen bei uns noch relativ häufig vor.

Schwalbenschwanz

Namensgebend für den Schwalbenschwanz ist der schwanzförmige Fortsatz der Hinterflügel.

(Papilio machaon)

Der Schwalbenschwanz zählt zu den schönsten europäischen Tagfaltern. Sein flatternder und segelnder Flug ist besonders eindrucksvoll. Das Insekt lebt auf blütenreichen Wiesen und Trockenrasen genauso wie in Gärten mit Möhrenbeeten, Fenchel oder Fliederbüschen. Seine Flügel sind in Gestaltung und Farbkomposition ein kleines Wunderwerk. Mit bis zu acht Zentimetern Spannweite ist der flugstarke und wanderfreudige Falter einer der größten Schmetterlinge in Mitteleuropa.

Damit sich die verstreut lebenden Männchen und Weibchen zur Paarung finden, versammeln sich beide Geschlechter zum Balzflug um Bergkuppen oder auch Türme. Die Weibchen der Frühjahrsgeneration überwinden nach der Begattung im Mai bzw. Juni weite Entfernungen, um geeignete Pflanzen zur Eiablage zu finden. Günstig dafür sind einzeln und an warmen Orten wachsende, aromatische Doldenblütler wie die Wilde Möhre. Etwa 150 Eier werden so verteilt, dass jede Wirtspflanze später nur wenige Raupen zu versorgen hat.

Die Raupe des Schwalbenschwanzes

Die Weibchen der Sommergeneration wählen im Juli bzw. August ebenfalls Doldenblütler wie die Kleine Bibernelle, Dill oder Fenchel zur Eiablage aus. Es entwickeln sich Raupen mit grüner Grundfärbung und schwarzen, rot gepunkteten Querstreifen. Eine orange gefärbte Nackengabel verströmt bei Gefahr Abwehrstoffe, die Ameisen, Schlupfwespen und andere Räuber oder Parasiten vertreiben. Den Winter verbringt der Schwalbenschwanz als grau oder grün gefärbte Gürtelpuppe.

Der Bestand des Schwalbenschwanzes hat sich nach einem Tief in den 70er und 80er Jahren leicht erholt. Inzwischen gilt der Falter nicht mehr als gefährdet. Hauptursache dafür ist die Verringerung des Einsatzes von Umweltgiften in Gärten und auf öffentlichem Gelände.

Der Schwalbenschwanz wurde 2006 zum Schmetterling des Jahres gekürt. Dazu gab es eine Sonderausgabe der Mitgliederzeitschrift des BUND (umweltfairbund 2-2006).

Mit dem seit 2003 gekürten „Schmetterling des Jahres“ will die BUND NRW Naturschutzstiftung auf den Rückgang der natürlichen Vielfalt von Lebensräumen aufmerksam machen und der Bevölkerung ökologische und naturschutzfachliche Zusammenhänge verdeutlichen.

Landkärtchen

Landkärtchen im Frühling

(Araschnia levana)

Das Landkärtchen (Schmetterling des Jahres 2007) ist ein mittelgroßer Falter, der an seinen Vorkommensorten meist nicht selten ist.
In Europa ist die Art vor allem in der Mitte und im Osten verbreitet. Wie auf den Bildern ersichtlich, gibt es zwei recht verschieden aussehende Generationen, welche im Frühjahr und Hochsommer fliegen.

Zwei Farbvarianten der fast erwachsenen Raupe: Die verästelten Dornen und vor allem die Dornen auf der Kopfkapsel unterscheiden die dunkle Raupe von der des Tagpfauenauges.

Die Überwinterung des Landkärtchens erfolgt als Puppe.

Futterpflanze der Raupen ist die Brennnessel.

Landkärtchen im Sommer

Die Tatsache, dass die beiden Generationen sehr verschieden aussehen, nennt man Saison-Dimorphismus. Dies kommt in abgeschwächter Form auch bei anderen Arten vor.

In sehr warmen Jahren kann es bei uns auch eine partielle 3. Generation geben. Dies ist in wärmeren Gegenden des westlichen Mitteleuropas die Regel.

Das Landkärtchen war Schmetterling des Jahres 2007.

Kleiner Fuchs

Kleiner Fuchs mit ausgebreiteten Flügeln Der Kleine Fuchs hat eine Spannweite von 40 bis 50 mm.

(Nymphalis urticae (L.))

Der Kleine Fuchs überwintert als Falter – wie nur wenige andere Schmetterlingsarten in unserer Region. Er zieht sich z. B. in Dachböden, Keller, Garage, Holzspalten oder Mäuselöchern zurück.

Der Kleine Fuchs ist einer der häufigsten Falter, da sein Raupenfutter, die Brennnessel, in unserer überdüngten Landschaft häufig ist. Schon bei den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling sieht man ihn die Frühblüher besuchen; die Falter fliegen dann bis in den April.
Die Weibchen legen ihre Eier haufenweise an die Triebspitzen der Brennnesseln. Dort bilden sie ein Gespinst, in dem sich bis zu 100 Raupen befinden.

Raupe des Kleinen Fuchses

Die Raupen sind schwarz, mit doppelten gelben Rücken- und Seitenstreifen gezeichnet und mit Dornen bewehrt. Nach ihrer letzten Häutung verteilen sich die Raupen auf die nahestehenden Brennnesseln. Auf Berührungen und Erschütterungen reagieren sie empfindlich: Sofort rollen sie sich zusammen und lassen sich fallen.

Nach etwa einem Monat sind die Raupen ausgewachsen. Rastlos streifen sie nun umher, um einen geeigneten Platz zu suchen, damit sie sich als Stürzpuppe die Raupenhaut abstreifen können. Die braune, golden glänzende Puppe braucht für ihre Entwicklung zum Falter etwa vierzehn Tage.

Tagpfauenauge

Tagpfauenauge mit ausgebreiteten Flügeln Tagpfauenaugen fliegen bis in den Spätherbst.

(Nymphalis io)

Ein Grund für die weite Verbreitung des Tagpfauenauges ist seine Futterpflanze, die ebenfalls weit verbreitete Brennessel.

Die ersten Tagpfauenaugen fliegen von April bis Mai aus. Die Weibchen heften dann Gelege von 50 bis 100 Eiern an die Blattunterseite der neuen Triebe von Brennnesseln. Haben die Raupen eine Brennnessel kahlgefressen, wandern sie weiter und verteilen sich so nach nach auf das ganze Brennnesselfeld. Droht ihnen Gefahr, rollen sie sich zusammen und lassen sich auf den Boden fallen.

Wie ein trockenes Blatt: Tagpfauenauge im Ruhezustand.

 

Die großen Augenflecken, die dem Pfauenauge seinen Namen geben, nutzt der Schmetterling als Schutz gegen Fressfeinde. Bei Gefahr klappt er die Flügel ruckartig auseinander und zeigt seine Flügeloberseiten. Dem Fressfeind wird so vorgegaukelt, ein großes Tier blicke ihn an. Im Ruhezustand klappt der Schmetterling seine Flügel zusammen und sieht dann aus wie ein trockenes Blatt.

Schwarze, mit Dornen bewehrte Raupen des Tagpfauenauges


Nach einem etwa vierwöchigen Raupenstadium verwandeln sie sich in eine grünliche oder bräunliche Stürzpuppe. Ab Juli schlüpft die erste Generation und saugt meist den Nektar violett blühender Pflanzen, vor allem Disteln. In Hausgärten findet man sie zusammen mit anderen Faltern oft am Sommerflieder Buddleja, der deshalb auch Schmetterlingsstrauch genannt wird.

Das Tagpfauenauge war Schmetterling des Jahres 2009.

Zitronenfalter

Zitronenfalter auf einer Blüte Der Zitronenfalter hat eine Spannweite von 50 bis 55 mm.

(Gonepteryx rhamni (L.))

Der Zitronenfalter zählt zu den langlebigsten Schmetterlingen in Mitteleuropa: Beinahe zehn Monate dauert sein Leben als Falter (Imago). Er bewohnt vor allem Waldränder bzw. lichte Wälder und ist fast in ganz Europa verbreitet. Eine ähnliche Art in Südeuropa unterscheidet sich durch einen orangefarbenen Fleck auf den Vorderflügeln.

Der Lebenszyklus des Zitronenfalters ist vergleichsweise komplex. Um derart lange zu überleben, verfällt der Schmetterling zweimal in seinem Leben in einen Zustand der Starre: die Sommerstarre und die Winterstarre. Bereits im zeitigen Frühjahr können wir ihn als Vorboten des Frühlings an Waldrändern fliegen sehen. Im April und Mai werden die weißlichen, kegelförmigen Eier einzeln an die jungen Triebe der Futterpflanzen (Faulbaum und Gewöhnlicher Kreuzdorn) abgelegt.

Raupe des Zitronenfalters

Einen Monat lang entwickeln sich die grünen Raupen und verpuppen sich schließlich im Juli. Nach etwa zwei Wochen schlüpft der Falter, der aber schon nach etwa zehn Tagen wieder in einen etwa zweimonatigen Sommerschlaf verfällt. Im Herbst können wir ihn dann wieder fliegen sehen – so lange, bis er im Spätherbst in seine Winterstarre verfällt und bis zum nächsten Frühjahr schlummert.

Aurorafalter

Männlicher Aurorafalter mit ausgebreiteten Flügeln Der Aurorafalter hat eine Spannweite von 35 bis 45 mm.

(Anthocharis cardamines)

Der Aurorafalter gehört mit seinem Orange und Weiß zu den frühesten Farbtupfern im Jahr. Nur die Männchen haben die orangefarbenen Vorderflügel – die Weibchen lediglich die schwarze Flügelspitze.

Man findet ihn an Wegrändern in Wäldern, Auwäldern, Lichtungen, Feldhecken, Gebüschfluren und Wiesen oder auch in laubholzreichen Gärten.

Raupe des Aurorafalters

Das Raupenfutter des Aurorafalters besteht aus Blüten und Fruchtständen wild wachsender Kreuzblütler wie z.B. dem Wiesen-Schaumkraut, der Rauhaarigen Gänsekresse oder der Knoblauchsrauke.
Auch der erwachsene Falter bevorzugt unter anderem den Nektar des Wiesen-Schaumkrauts sowie der Knoblauchsrauke.

Der Aurorafalter war Schmetterling des Jahres 2004.

Trauermantel

Trauermantel mit ausgebreiteten Flügeln Der Trauermantel hat eine Spannweite von bis zu 70 mm.

(Nymphalis antiopa)

Der Trauermantel ist ein großer Falter, der in den meisten Gegenden Deutschlands sehr selten ist. Regelmäßig findet man den Falter z.B. im Schwarzwald, im Bayerischen Wald und in den östlichen Bundesländern.

In Europa ist er weit verbreitet und am ehesten in offenen Bereichen in Waldnähe zu finden, wo die wichtigste Raupenfutterpflanze, die Sal-Weide, vorkommt. Er fliegt ab März, allerdings nur bis zur Paarung Anfang Juni. Frische Falter können ab Juli beobachtet werden.

Der Trauermantelfalter ernährt sich von Pflanzensäften, er saugt an Baumstammwunden und im Herbst auch an Fallobst. Er lebt vor allem im Wald – wo er auch schon mal verschwitzte Wanderer anfliegt, um zu saugen.

Die Raupe des Trauermantels

Sowohl Falter als auch die Raupe sind unverwechselbar! Die Unterseite der Flügel ist ähnlich dunkel wie beim Tagpfauenauge – der breite helle Rand macht die Art jedoch einzigartig.

Die Art gehört zu den wenigen Tagfalterarten, welche in Verstecken als Falter überwintern und deshalb zu den ersten Arten gehören, die man im zeitigen Frühjahr antreffen kann.

Die Raupen leben die meiste Zeit gesellig im Gespinst und fallen dann auf den Fraßbäumen auf. Sie ernähren sich hauptsächlich von Weiden, gelegentlich sind sie auch auf Birken zu finden.
 

Admiral

Admiral mit ausgebreiteten Flügeln Der Admiral hat eine Flügelspannweite von 5 bis 6 cm.

(Vanessa atalanta (L.))

Der Admiral ist ein Wanderfalter. Die Falter starten einzeln in Südeuropa und kommen im Mai/ Juni bei uns an. Er pflanzt sich hier in zwei Generationen fort.

Die Weibchen legen jeweis nur ein Ei. Die zweite Generation zieht im Herbst wieder zurück in den Süden. Im Südwesten Deutschlands überwintern auch einzelne Exemplare. Der Admiral kommt hier in offenen Landschaften mit Gehölzen, aber auch in Grünanlagen und Gärten vor.

Die Raupe des Admirals

Die Raupen leben in zusammengesponnenen Blättern ihrer Futterpflanzen: Brennnesseln oder gelegentlich Disteln.

Erwachsene Falter bevorzugen am Stamm austretende süße Baumsäfte, Saft faulenden Obstes sowie verschiedene Blüten.

Distelfalter

Distelfalter mit ausgebreiteten Flügeln Der Distelfalter hat eine Spannweite von 4,5 bis 6 cm.

(Vanessa cardui (L.))

Dieser Wanderfalter startet seine Reise in großen Schwärmen aus dem Mittelmeerraum und kommt zwischen Mai und Juli bei uns an. Die Zahl der Falter, die unsere Regionen erreicht, schwankt von Jahr zu Jahr beträchtlich. Das hängt unter anderem von den witterungsbedingten Verlusten unterwegs ab. Sobald es im Oktober kühler wird, machen sich die bei uns geschlüpften Falter auf, zurück gen Süden.

Raupe des Distelfalters

Namensgebend für den Distelfalter ist der Eiablageort auf verschiedenen Distelarten oder auch Brennnesseln.
Diese stellen, neben zahlreichen Blütenpflanzen, auch häufige Nektarpflanzen dar.

Der Distelfalter kommt hauptsächlich in offenen Landschaften vor.

Schachbrettfalter

Schachbrettfalter mit ausgebreiteten Flügeln

(Melanargia galathea)

Das Schachbrett ist ein mittelgroßer Falter, der in geeigneten Biotopen im Hochsommer sehr häufig auftreten kann.

Dieser Vertreter der Augenfalter bevorzugt magere Wiesen, besonders auf kalkhaltigem Untergrund (z.B. Schwäbische Alb), kann aber auch auf nicht zu intensiv bewirtschafteten normalen Wiesen angetroffen werden. Er bewohnt sowohl Waldwiesen, Wald- und Wegränder als auch Böschungen. Im Norden Deutschlands ist er sehr selten.

Im Flug wirkt das Schachbrett weißlich, bei genauem Hinsehen erkennt man auf der Oberseite die schachbrettartige Zeichnung. In Ruhestellung klappt der Falter die Flügel zusammen. So übersteht er auch Perioden mit schlechter Witterung.

 

Raupe des Schachbrettfalters

Für die Eiablage benötigt das Weibchen ältere Gräser. Daher sind nur ungemähte Wiesen für die Eiablage geeignet.

Da der ausgewachsene Schachbrettfalter sich vor allem von Nektarpflanzen ernährt, wird er wesentlich stärker durch Mahd beeinträchtigt als die Raupe – ihm wird dadurch die Nahrungsgrundlage entzogen. Die Raupen hingegen sind gerade in späteren Entwicklungsstadien nachtaktiv und somit weniger von der Mahd betroffen. Sie ernähren sich vor allem von Süßgräsern, zum Beispiel von der Aufrechten Trespe.

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