Kreisverband Darmstadt
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Igel auf einer Wiese

Igelberatung

Das freche Gesicht des Igels mit den lustigen Knopfaugen hat es vielen Menschen angetan. Gerade im Winter werden die Tiere darum häufig in gut gemeinter Absicht aufgenommen und gepflegt. Dies ist allerdings nur in den seltensten Fällen sinnvoll – meist haben Igel in Freiheit die größeren Überlebenschancen.

 

Junge Igel

Igel sind von Natur aus Einzelgänger, verteidigen ihr Revier und sind nur in der Paarungszeit zwischen Mai und August gesellig.
Nach 35 Tagen Tragezeit werden vier bis fünf (manchmal sogar bis zu zehn) Jungigel geboren. Je nach Jahresverlauf kann im September noch ein zweiter Jahreswurf vorkommen.
Bei ihrer Geburt wiegen Igel zwölf bis 25 Gramm, sind ca. sechs Zentimeter lang und tragen etwa 100 weiße Stacheln, die in die aufgequollene Rückenhaut eingebettet sind. Augen und Ohren beginnen sich erst nach 14 Tagen zu öffnen. Die Igeljunge werden 40 bis 42 Tage gesäugt. Nach diesen sechs Wochen wiegen Jungigel ungefähr 300 Gramm und sind selbständig.

Ein Igel kann sieben bis acht Jahre alt werden, die meisten erreichen aber nur ein Lebensalter von zwei bis drei Jahren. Durch ihre täglichen Wanderungen von drei bis vier Kilometern sind sie durch den Straßenverkehr extrem gefährdet. Die Jugendsterblichkeit ist bei Igeln hoch.

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Igel im Herbst und Winter

Welche Igel brauchen Hilfe?

Jungigel, die im November noch nicht das Winterschlafgewicht (ca. 400 bis 500 g) erreicht haben, haben schlechte Chancen den Winter zu überleben. Sie müssen zugefüttert und bei Zimmertemperatur gepflegt werden.
Kranke oder verletzte Igel sollten zum Tierarzt oder in eine Igelpflegestation gebracht werden. Kranke Igel erkennt man zum Beispiel daran, dass sie eher kalt und schmal sind und tagsüber unruhig umherlaufen, anstatt zu schlafen.

Was kann ich für Igel im Herbst tun?

Igel trinkt aus einem Napf
  • täglich ein Schälchen mit Futter und Wasser an einen trockenen Platz stellen:
    zum Beispiel Katzennassfutter gemischt mit handelsüblichem Igelfutter, manche Igel mögen aber auch gekochtes Ei oder gekochten Fisch
  • trockene Winterschlafplätze bereitstellen:
    zum Beispiel Reisighaufen, Holzstapel oder Kisten mit Stroh, dazu Isoliermaterial wie trockene Blätter, Moos, Heu und Stroh
  • ein Schlafhaus im Freien basteln:
    dazu in einen Karton mit Deckel ein ca. 10 x 10 cm breites Einschlupfloch schneiden und den Boden dick mit trockenem Moos, Heu oder Stroh auslegen

Auf gar keinen Fall sollte man:

  • Milch zu trinken geben (davon bekommen die Igel Durchfall)
  • Süßigkeiten, Speisereste oder gewürzte Nahrung füttern

Wann sollte ich einen Igel nach drinnen holen?

Igel im Holzhaus

Im Allgemeinen gilt: Igel stehen wie alle Wildtiere unter Naturschutz. Es ist darum verboten, sie zu fangen oder als Haustiere zu halten. Extrem untergewichtige Igel
(unter 300 g)
brauchen allerdings unsere Hilfe. Liegen die Temperaturen nachts deutlich unter 15° C, können sie draußen kein Gewicht mehr zulegen. Das ist in Darmstadt ungefähr ab Mitte bis Ende November der Fall.

Die Entscheidung, einen Igel im Haus aufzupäppeln, sollte dennoch sorgfältig abgewogen werden. Denn ihrem gewohnten Revier entrissen zu werden, bedeutet für die Tiere Desorientierung und Stress. Dadurch können sich die Überlebenschancen eines gesunden Igels sogar verringern.

Junger Braunbrustigel

Steckbrief „Mitteleuropäischer Braunbrustigel“

(Eraceus europaeus)

  • nachtaktiver Einzelgänger
  • Nahrung: vorwiegend Insekten
  • Lebensraum: lichte Laub- und Mischwäldern, Waldränder, Gebüsche
  • ausgewachsen ca. 6000 bis 8000 Stacheln,
    Gewicht 800 - 1500 g
  • Lebenserwartung: sieben bis acht Jahre

Anlaufstellen für Igelhelfer*innen

Der BUND Darmstadt nimmt keine Igel in Pflege, berät und vermittelt Sie aber gerne weiter:
bund.darmstadt@bund.net oder per Telefon 06151 37931

Tierschutzverein und Tierheim Darmstadt und Umgebung e.V.:
www.tsv-darmstadt.de

Wildtierhilfe Odenwald e.V.:
https://www.wildtierhilfe-odenwald.de

Karte mit Igelstationen des Vereins proIgel e.V.:
https://www.pro-igel.de/karte-mit-pflegestellen/

 

 

10 Tipps für Igelfreund*innen

  1. Besonders in der Dämmerung vorsichtig und bremsbereit Auto fahren
  2. Igel, die nachts oder in der Dämmerung auf der Straße gefunden werden, einfach ins nächste Gebüsch oder den nächsten naturnahen Garten setzen
  3. Im eigenen Garten einen igelfreundlichen Lebensraum schaffen:
    mit naturnahen Wiesen, Hecken, Berensträuchern und flachen Teichen sowie Unterschlupfmöglichkeiten in dichtem Gebüsch, großen Laub-, Reisig- oder Steinhaufen, unter Hozstapeln und sonstigen trockenen Hohlräumen
  4. Auf chemische Insekten- oder Schneckenvernichter verzichten
  5. Vorsicht beim Mähen oder mit Freischneidern unter Büschen und Hecken: hier verkriechen sich gerne schlafende Igel
  6. Keine Mähroboter verwenden – insbesondere nachts!
  7. Kompost- und Reisighaufen nicht im späten Herbst, Winter und zeitigem Frühjahr umsetzen, um den Winterschlaf der Tiere nicht zu stören
  8. Igeldurchlässige Gartenzäune installieren oder kleine Tunnel unter Mauern buddeln
  9. Keine Schlagfallen oder Vogelschutznetze am Boden anbringen bzw. Netze sehr straff spannen und die Seiten mit undurchdringlichem, festen Material sichern, so dass keine Tiere versehentlich hineingelangen und eingesperrt werden können
  10. Kellerschächte und Wasserbecken, die nicht mindestens 30 cm über dem Grund herausschauen, beispielsweise mit einem dichten Gitterrost sichern

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