Umsiedeln statt Abtöten!
Insbesondere bei der Firmen-Werbung im Internet werden oft verharmlosende Begriffe gebraucht. Meistens ist "Wespenentfernung" dann eine Umschreibung für die Vergiftung der Wespen im Nest. Das Abtöten der Tiere geschieht dabei in der Regel mit Gift – das die Umwelt belastet und somit auch uns.
Genau das ist in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle – insbesondere nach einer Beratung – nicht notwendig!
In anderen Fällen meint "Entfernung" das Lebendeinfangen der Flugtiere ohne Nest und Freilassen an einem weit entfernten Ort (so dass die Tiere ihr Nest mit den darin befindlichen Larven und Puppen bei Ihnen nicht wiederfinden). Die Wespen werden zwar nicht getötet, das Volk kann sich aber in der Regel auch nicht mehr stabilisieren.
Bleibt dagegen die (flugfähige) Königin im Nest zurück, kann es sogar passieren, dass sich das Nest wieder neu entwickelt.
Vertretbar ist der Lebendfang der einzelnen Königin bei sozial lebenden Wespen nur im Frühjahr (Februar/ März, ggf. je nach Wetter noch im April), wenn sie gerade erst mit der Nestgründung begonnen hat. Dann schafft sie an einem geeigneten entfernten Ort wahrscheinlich eine Neugründung.
Ansonsten kann die Entwicklung des Wespenvolkes am neuen Standort nur bei einer fachgerechten Umsiedlung des Nestes mit Eiern, Larven, Puppen und den dazu gehörenden Tieren sichergestellt werden. Hierzu werden die Flugtiere mitsamt der Königin eingefangen, das Nest sorgfältig geborgen und beides zusammen an einen entfernten Ort gebracht.
Dieser muss je nach Art mindestens vier Kilometer Luftlinie vom Ursprungsstandort entfernt sein. Dort wird der Nestaufbau in einem speziellen Wespen- bzw. Hornissennistkasten durchgeführt und die Flugtiere aus dem Fangkasten wieder zum Nest gelassen.
Um den Umsiedlungsstress zu kompensieren, wird eine Startfütterung durchgeführt und auch nach der Umsiedlung die Entwicklung kontrolliert. Die Standplätze der Wespen- bzw. Hornissennistplätze sind abgesprochen.
Wespenberatung beim BUND Darmstadt
Der BUND Darmstadt berät ehrenamtlich zum Thema Wespen und Hornissen.
Darüber hinaus führen wir professionelle Umsiedlungen durch. Während der "Wespenhoch-Saison" von etwa Juni bis August besteht in der Regel eine Warteliste (auch, da Umsiedlungen bei Temperaturen von über 30°C nicht möglich sind).
Bitte sprechen Sie Ihre Nachricht mit Nennung des konkreten Problems auf die Mailbox (Tel. 06151 37931, Montag bis Sonntag, möglichst erst ab 9 Uhr) oder kontaktieren Sie uns bevorzugt per Mail (brigitte.martin@bund.net). Beachten Sie dabei unsere Checkliste.
Kosten
Die Wespen- und Hornissenberatung (telefonisch oder per Mail) ist in der Regel kostenfrei (Spenden an den BUND sind aber gerne gesehen).
Für die fachgerechte Umsiedlung von Wespen, Hornissen oder Hummeln, für Nestumbauten oder die Beratung vor Ort werden Kosten je nach Aufwand und Entfernung berechnet.
Manche Gebäude- oder Hausratsversicherungen übernehmen die Kosten einer professionellen Wespen- bzw. Hornissenumsiedlung.
Checkliste für Ihre Anfrage
- Wer sucht wo Hilfe?
--> Ihre Kontaktdaten (Anschrift, Telefon, E-Mail) und ggf. abweichender Standort des Nestes (insbesondere Ort) - Wo genau befindet sich das Nest? Ist dieses überhaupt sichtbar?
--> Sehen/ vermuten Sie das Nest z.B. im Rolladenkasten, im Fensterrahmen des Dachfensters, im Schuppen, in der Erde, im Freien in der Hecke, unter dem Giebel,… ?
--> Sehen Sie nur Tiere einfliegen, aber kein Nest (z.B. an einem Balken am Dachüberstand, unter Fußbodendielen auf der Terrasse,... ?
--> Wie hoch ist das Nest/ die Einflugstelle über dem Erd- bzw. Fußboden? Sind Fenster darunter? - Wodurch fühlen Sie sich gefährdet?
--> Kommen beispielsweise Wespen ins Zimmer – mitunter auch, wenn das Fenster geschlossen ist? - Wie sehen die Tiere bzw. das Nest aus?
--> wenn möglich, ein Foto des Nestes, seines Standortes und ggf. aufgefundener toter Wespen (Aufnahme von vorne, so dass das Gesicht zu sehen ist) anhängen
Wenn möglich: Bestimmung der Wespenart
Feldwespe
- lang und dünn, die Beine hängen beim Fliegen auffallend herunter
- das Nest besteht nur aus einer grauen Wabe ohne Hülle darum (die einzelnen Zellen sind sichtbar) und ist maximal handtellergroß
- die Tiere sitzen offen sichtbar auf dem Nest
- Gründung des Nestes bereits im Februar/ März; bis April sind bereits mehrere Tiere auf dem Nest (charakteristisches Merkmal!)
Hornisse
- sehr große Tiere
- hellbraunes/ beiges, großzelliges Nest , oft mit dunkelbraunen Maserungen
- Nest ist zu Anfang (März/ April) kugelförmig mit nur einer Öffnung und wächst dann oft nach unten in die Länge
Mittlere Wespe
- Nest meist im Freien (Hecke, Baum, Dachüberstand,...)
- bei Berührung des Nestes schießen alle Tiere auf einmal heraus
Sächsische Wespe/ Waldwespe
- Nesthülle grau und kugelig bis länglich, wirkt wie gewickelt
- Nest gut sichtbar (meist im Schuppen oder Dachboden)
- nur bis August aktiv
Gemeine und Deutsche Wespe
- Nest im Verborgenen (in dunklen Ecken, im Schrank, im Rolladenkasten, in der Erde,...)
- auch im August noch sehr aktiv mit mehreren hundert bis tausend Tieren; oft bis in den Winter
- Gemeine Wespe: beige-braunes Nest
Deutsche Wespe: graues Nest
Asiatische Hornisse
- dunkle Erscheinung mit schwarzem Kopf und Brustabschnitten
- schwarzer Hinterleib mit gelb-orangefarbenen Ringen, ohne Flecken
Die asiatische Hornisse ist meldepflichtig! Mehr Infos beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.