Steckbrief Zauneidechse
(Lacerta agilis)
- häufigste Eidechsenart Mitteleuropas
- Länge bei der Geburt ca. 5 - 7 cm, ausgewachsen ca. 20 - 25 cm
- wie alle Reptilien wechselwarm: die Körpertemperatur passt sich an die Außentemperatur an
- tagaktiv
- verbringt den Winter in der Winterstarre (ab ca. September bis Ende März/ Anfang April)
- kann bei Gefahr ihren Schwanz abstoßen – bis dieser wieder vollständig nachgewachsen ist, dauert es allerdings bis zu zwei Jahre!
(Foto: Gerald Schmitt)
Die Zauneidechse hat eine dicke Hornhaut aus Schuppen, die dachziegelartig angeordnet sind. Dies verhindert die Hautatmung und ist ein idealer Verdunstungsschutz – so können sich die Boten aus der Urzeit auch in trockener und warmer Umgebung aufhalten. Da die verhornten toten Zellen der obersten Schicht nicht "mitwachsen" können, muss sich das Reptil von Zeit zu Zeit häuten. Die Haut wird dann in einem Stück abgestreift.
Die Färbung der Tiere dient zur Tarnung und ist perfekt an ihre Lebensräume angepasst. Die individuelle Rückenzeichnung ist ein einzigartiges Erkennungsmerkmal – ähnlich wie der menschliche Fingerabdruck.
Lebensraum
Verbreitungsgebiet der Zauneidechse
(Alexander Kürthy
/
Creative Commons)
- besiedelt unterschiedlichste Biotoptypen (Böschungen, Heideflächen, Bahndämme, Waldränder, Steinbrüche, Geröllhaufen, Gärten,...) bis zu einer Höhe von ca. 1600 Metern
- bevorzugt sonnige und trockene bis mäßig feuchte Lebensräume
Nahrung
Die Zauneidechse ernährt sich hauptsächlich von:
- Insekten wie Käfer, Grillen, Heuschrecken, Ohrzwicker,...
- Spinnen
- Asseln
- Würmern
Junge Zauneidechse mit erbeuteter Heuschrecke
(Foto: Gerald Schmitt)
Feinde
- Schlingnattern
- Greifvögel wie der Turmfalke und der Schlangenadler
- Raben- und Hühnervögel
- Igel, Marder und Spitzmäuse – diese schlagen besonders in den frühen Morgenstunden zu, wenn die Reptilien noch von der nächtlichen Kühle klamm sind und sich nur langsam bewegen können
- in Siedlungsnähe vor allem Hauskatzen und (in geringerem Umfang) Hunde
Eidechsenschutz im eigenen Garten
Bewirtschaftung ohne chemisches Gift
Pflanzenschutzmittel vernichten die Nahrungsgrundlage der Echsen, chemische Dünger und andere Substanzen zur Spritzung schädigen die Gesundheit der Reptilien. "Unkraut"vernichtungsmittel bilden im Abbauprodukt oft hormonähnliche Substanzen, die sich negativ auf die Fortpflanzung und Entwicklung der Echsen auswirken können. Kompost, Handarbeit bei der Pflanzenpflege und natürliche Pflanzenjauchen sind also die besten Vorraussetzungen für einen eidechsengerechten Garten.
Lebensraum schaffen
Aus Steinhaufen, Trockenmauern, Holzstapeln oder Baumwurzeln können Versteckmöglichkeiten und Sonnenplätze hergestellt werden. Sonnenexponierte Flächen sollten von übermäßigem Pflanzenwuchs freigehalten werden. Kahlstellen mit lockerem Erdreich als Untergrund sowie Sandhaufen eignen sich zur Eiablage.
(Foto: Gerald Schmitt)
Haustierschutz
Bei Eidechsen beliebte Sonnenplätze sollten beispielsweise mit Estrichmatten (nichtrostender Stahl), Maschendrahtzaun oder auch vertrockneten dornigen Ranken von Rosen oder Brombeeren überkront werden. Dies schützt insbesondere in den kühlen Stunden, wenn die Reptilien noch relativ langsam sind, vor Katzen und Hunden. Auch die Eiablageplätze in der warmen Erde können so besser geschützt werden.
Engagement des BUND
Im Baugebiet K6 in Darmstadt-Kranichstein wurden BUND-Mitglieder tätig, um die Eidechsen-Population bei der zukünftigen stärkeren Bebauung des Gebietes und der Randzonen zu erhalten. Dazu haben sie verschiedene Forderungen für Schutzmaßnahmen in öffentlichen Grünflächen zusammengestellt:
- naturnahe und giftfrei bewirtschaftete Gestaltung von Grünflächen
- Mähen der Wiesen nur im Spätsommer oder im Winterhalbjahr bei kühler Witterung und möglichst nur einmal jährlich
- Biotopvernetzung durch Anlegen und Erhalt von Böschungen, Wegrainen und breiten durchgehenden Grünstreifen an Straßen und in Parks – möglichst mit vielen blühenden und damit Insekten anziehenden Kräutern
- Lebensraumverbesserung durch den Erhalt von Brachflächen sowie die Herstellung von Sonnenplätzen, Versteckmöglichkeiten und Eiablageplätzen beispielsweise an Holz-, Stein- oder Sandhaufen
Zudem hat der BUND Darmstadt 2021 in Kranichstein einen Lehrpfad über Eidechsen und Wildbienen angelegt. Dieser ist auch Teil der jährlichen Reihe des Umweltdiploms der Stadt Darmstadt für Kinder der Klassen vier bis sechs.
Darüber hinaus sollen regelmäßige Führungen das Interesse an den Ur-Tieren und an ihrem Schutz wecken. Denn: Man schützt nur, was man kennt.