Kreisverband Darmstadt
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Männliche Zauneidechse auf einem Stein

Eidechsen

Noch ist die Zauneidechse hier im Darmstädter Raum verhältnismäßig häufig. Doch das Reptil ist zunehmend bedroht. Besonders in bestehenden Siedlungsgebieten sind Eidechsen auf unsere Hilfe angewiesen.

Bedrohung der Zauneidechse

Die Zauneidechse ist – auch im Darmstädter Raum – vor allem durch Lebensraumvernichtung sowie Lebensraumisolation und damit einhergehendem fehlenden Gen-Austausch bedroht. Da die wechselwarmen Tiere insbesondere brachliegendes Gelände – das oft mehr oder weniger schnell bebaut werden soll – besiedeln, finden sie immer häufiger keinen dauerhaften Lebensraum. Mittlerweile steht die Zauneidechse auf der Liste des Anhangs IV der FFH-Richtlinie für die besonders geschützten Tierarten der Europäischen Union.

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Steckbrief Zauneidechse

(Lacerta agilis)

  • häufigste Eidechsenart Mitteleuropas
  • Länge bei der Geburt ca. 5 - 7 cm, ausgewachsen ca. 20 - 25 cm
  • wie alle Reptilien wechselwarm: die Körpertemperatur passt sich an die Außentemperatur an
  • tagaktiv
  • verbringt den Winter in der Winterstarre (ab ca. September bis Ende März/ Anfang April)
  • kann bei Gefahr ihren Schwanz abstoßen – bis dieser wieder vollständig nachgewachsen ist, dauert es allerdings bis zu zwei Jahre!
Zauneidechse auf einem Stein  (Foto: Gerald Schmitt)

Die Zauneidechse hat eine dicke Hornhaut aus Schuppen, die dachziegelartig angeordnet sind. Dies verhindert die Hautatmung und ist ein idealer Verdunstungsschutz – so können sich die Boten aus der Urzeit auch in trockener und warmer Umgebung aufhalten. Da die verhornten toten Zellen der obersten Schicht nicht "mitwachsen" können, muss sich das Reptil von Zeit zu Zeit häuten. Die Haut wird dann in einem Stück abgestreift.

Die Färbung der Tiere dient zur Tarnung und ist perfekt an ihre Lebensräume angepasst. Die individuelle Rückenzeichnung ist ein einzigartiges Erkennungsmerkmal – ähnlich wie der menschliche Fingerabdruck.

Zauneidechsenpaar  (Foto: Gerald Schmitt)

Die Weibchen der Zauneidechse sind meistens hellgrau, gelbbraun oder bräunlich gefärbt; die gelblich-weißliche Unterseite ist fast immer ohne Fleckung.

Männchen sind seitlich und auf der Unterseite hell- bis dunkelgrün mit schwärzlichen Flecken. Sie haben, im Gegensatz zu den Weibchen, dunkle Kopfplatten. Auf der Rückenmitte ist oft eine in weißliche Striche aufgeteilte Linie zu sehen.

Etwa Ende April, zur Paarungszeit, breitet sich das Grün der Unterseite aus und die Männchen bekommen ein leuchtend grünes Hochzeitskleid.

Lebensraum

Karte mit dem verbreitungsgebiet der Zauneidechse: von Südengland und Frankreich über Dänemark und Südschweden im Norden, bis nach Nordwestchina im Osten, bis zu den Pyrenäen im Süd-Westen und bis hin zur Alpennordseite in Mitteleuropa; außerdem Verbreitung im nördlichen Balkangebiet Verbreitungsgebiet der Zauneidechse  (Alexander Kürthy / Creative Commons)
  • besiedelt unterschiedlichste Biotoptypen (Böschungen, Heideflächen, Bahndämme, Waldränder, Steinbrüche, Geröllhaufen, Gärten,...) bis zu einer Höhe von ca. 1600 Metern
  • bevorzugt sonnige und trockene bis mäßig feuchte Lebensräume

Nahrung

Die Zauneidechse ernährt sich hauptsächlich von:

  • Insekten wie Käfer, Grillen, Heuschrecken, Ohrzwicker,...
  • Spinnen
  • Asseln
  • Würmern
Junge Zauneidechse mit erbeuteter Heuschrecke  (Foto: Gerald Schmitt)

Feinde

  • Schlingnattern
  • Greifvögel wie der Turmfalke und der Schlangenadler
  • Raben- und Hühnervögel
  • Igel, Marder und Spitzmäuse – diese schlagen besonders in den frühen Morgenstunden zu, wenn die Reptilien noch von der nächtlichen Kühle klamm sind und sich nur langsam bewegen können
  • in Siedlungsnähe vor allem Hauskatzen und (in geringerem Umfang) Hunde

 

Eidechsenschutz im eigenen Garten

Bewirtschaftung ohne chemisches Gift
Pflanzenschutzmittel vernichten die Nahrungsgrundlage der Echsen, chemische Dünger und andere Substanzen zur Spritzung schädigen die Gesundheit der Reptilien. "Unkraut"vernichtungsmittel bilden im Abbauprodukt oft hormonähnliche Substanzen, die sich negativ auf die Fortpflanzung und Entwicklung der Echsen auswirken können. Kompost, Handarbeit bei der Pflanzenpflege und natürliche Pflanzenjauchen sind also die besten Vorraussetzungen für einen eidechsengerechten Garten.

Lebensraum schaffen
Aus Steinhaufen, Trockenmauern, Holzstapeln oder Baumwurzeln können Versteckmöglichkeiten und Sonnenplätze hergestellt werden. Sonnenexponierte Flächen sollten von übermäßigem Pflanzenwuchs freigehalten werden. Kahlstellen mit lockerem Erdreich als Untergrund sowie Sandhaufen eignen sich zur Eiablage.

drei junge Eidechsen sonnen sich auf Holzbrettern unter einem Gitternetz  (Foto: Gerald Schmitt)

Haustierschutz
Bei Eidechsen beliebte Sonnenplätze sollten beispielsweise mit Estrichmatten (nichtrostender Stahl), Maschendrahtzaun oder auch vertrockneten dornigen Ranken von Rosen oder Brombeeren überkront werden. Dies schützt insbesondere in den kühlen Stunden, wenn die Reptilien noch relativ langsam sind, vor Katzen und Hunden. Auch die Eiablageplätze in der warmen Erde können so besser geschützt werden.

Den Lebenslauf der Zauneidechse beobachten

zwei Eidechsenmännchen beim Kampf im Gehölz Etwa Ende April breitet sich die grüne Färbung der Männchen aus und sie liefern sich Kommentkämpfe (ritualisierte Paarungskämpfe). Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen.  (Foto: Gerald Schmitt)
trächtiges Eidechsenweibchen auf einem Baumstamm Trächtiges Weibchen: Die erste Eiablage erfolgt ca. 25 Tage nach der Paarung im Mai oder Juni bei einer optimalen Temperatur von etwa 27°C. Zweitgelege (meist ca. einen Monat später) sind keine Seltenheit.  (Foto: Gerlad Schmitt)

Engagement des BUND

Im Baugebiet K6 in Darmstadt-Kranichstein wurden BUND-Mitglieder tätig, um die Eidechsen-Population bei der zukünftigen stärkeren Bebauung des Gebietes und der Randzonen zu erhalten. Dazu haben sie verschiedene Forderungen für Schutzmaßnahmen in öffentlichen Grünflächen zusammengestellt: 

  • naturnahe und giftfrei bewirtschaftete Gestaltung von Grünflächen
  • Mähen der Wiesen nur im Spätsommer oder im Winterhalbjahr bei kühler Witterung und möglichst nur einmal jährlich
  • Biotopvernetzung durch Anlegen und Erhalt von Böschungen, Wegrainen und breiten durchgehenden Grünstreifen an Straßen und in Parks – möglichst mit vielen blühenden und damit Insekten anziehenden Kräutern
  • Lebensraumverbesserung durch den Erhalt von Brachflächen sowie die Herstellung von Sonnenplätzen, Versteckmöglichkeiten und Eiablageplätzen beispielsweise an Holz-, Stein- oder Sandhaufen

 

Zudem hat der BUND Darmstadt 2021 in Kranichstein einen Lehrpfad über Eidechsen und Wildbienen angelegt. Dieser ist auch Teil der jährlichen Reihe des Umweltdiploms der Stadt Darmstadt für Kinder der Klassen vier bis sechs.
Darüber hinaus sollen regelmäßige Führungen das Interesse an den Ur-Tieren und an ihrem Schutz wecken. Denn: Man schützt nur, was man kennt.

Die acht bis 15 Eier eines Geleges sind von ovaler Form und etwa 15 Millimeter lang und zehn Millimeter breit . Sie werden in Klumpen in selbstgegrabenen Erdlöchern an feuchteren, sonnenexponierten Bodenstellen abgelegt.

junge Eidechse im Gras mit Feuerkäfern Die ersten Schlüpflinge werden ab Anfang Juli, je nach Wetterlage nach 30 bis 60 Tagen, registriert. Sie verteilen sich nach dem Schlupf schnell in der Umgebung.  (Foto: Gerald Schmitt)
Eidechsenpaar, das zwischen Steinen hervorkriecht Die Geschlechtsreife hängt eng mit der erreichten Körpergröße und damit mit der Schlupfgröße, der herrschenden Durchschnittstemperatur und dem Nahrungsangebot zusammen. Die Fortpflanzung beginnt häufig nach der zweiten Überwinterung.  (Foto: Gerald Schmitt)

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