Was ist biologische Vielfalt?
Biologische Vielfalt, auch Biodiversität genannt, ist als Grundlage unseres Lebens ein schützenswertes Gut.
Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD) definiert sie wie folgt:
„Biologische Vielfalt bedeutet die Verschiedenartigkeit von lebenden Organismen unterschiedlicher Lebensräume einschließlich u. a. landgebundene, meergebundene und anderen wassergebundenen Ökosysteme und die ökologischen Gefüge, zu denen sie gehören; das heißt die Vielfalt innerhalb von Arten, zwischen Arten wie auch Ökosystemen.“
Biologische Vielfalt ist eine der wichtigsten Grundlagen für unser Leben.
Die Vielfalt innerhalb der Arten, zwischen den Arten und zwischen den Ökosystemen (z. B. Wiesen, Bäche und Seen oder Laubwald) sind in Wechselwirkung zueinander: Spezielle Arten lassen sich nur in speziellen Lebensräumen nieder, die von verschiedenen Umweltbedingungen beeinflusst werden. Genetische Unterschiede innerhalb der Arten erhöhen die Überlebenschancen der Art bei sich verändernden Umweltbedingungen sowie die Resistenz gegenüber Krankheitserregern.
Aktueller Zustand der Biologischen Vielfalt
Die Rate des Artensterbens auf der Welt ist aktuell hundert- bis tausendfach so groß wie die natürliche Aussterberate.
Eine Studie von Sánchez-Bayo & Wyckhuys (2019) ergab, dass bei gleichbleibendem Trend 40 Prozent der Insektenarten weltweit in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht sein werden.
Die deutschlandweiten Roten Listen der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze sind die umfassendste Darstellung zur Lage der Artenvielfalt in Deutschland. Über 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze werden in den bundesweiten Roten Listen in Bezug auf ihre Gefährdung untersucht, davon ca. 11.000 Taxa (Arten und Unterarten).
Ursachen für den Rückgang der Biologischen Vielfalt
Laut dem Bericht „Millennium Ecosystem Assessment und seine Relevanz für Deutschland“ von 2006 des UFZ Leipzig sind die relevantesten direkten Triebkräfte für die Abnahme der Biodiversität der Landnutzungswandel (z. B. Siedlungsbau, Verkehr), Klimaänderungen (z. B. durch die Freisetzung von Treibhausgasen aufgrund intensivierter Landwirtschaft oder des Verbrennens fossiler Brennstoffe), flächenübergreifende Nähr- und Schadstoffbelastung (z. B. durch konventionelle Landwirtschaft), die Übernutzung natürlicher Ressourcen und das Auftauchen invasiver Arten.
Im Falle der Insekten werden für deren weltweiten Rückgang in der Übersichtsstudie von Sánchez-Bayo & Wyckhuys (2019) konkret folgende Hauptursachen genannt: Der Verlust an Lebensräumen, der Übergang zu intensiver Landwirtschaft und Urbanisierung, Verunreinigungen (v. a. durch Pestizide und Düngemittel), die biologischen Faktoren wie Krankheitserreger und eingeführte Arten sowie der Klimawandel.
Bedeutung von Biodiversität für den Menschen
Ökosystemleistungen
Ökosystemleistungen sind beispielsweise die Bestäubung durch Insekten, der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit oder die Speicherung und Umwandlung von CO² in Wäldern, Mooren, Böden etc. Viele Tierarten sind auf bestimmte Tier- und/oder Pflanzenarten angewiesen, um sich zu ernähren und fortzupflanzen. Wenn Arten aussterben, können sie ihre relevante Funktion im Ökosystem nicht mehr erfüllen.
Ernährung
Pflanzen- und Tierarten sind Nahrungsgrundlage für den Menschen. Die Natur liefert wertvolle Rohstoffe für die Fertigung in der Industrie und für die modernisierte Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft.
Fortschritt
Der „Lotus-Effekt“ beschreibt das Abperlen von Wassertropfen an Oberflächen, um Schmutzpartikel abzutransportieren.
Als Zusammensetzung aus „Biologie“ und „Technik“ werden in der Bionik aus der Biologie abgeleitete Prinzipien für technische Anwendungen genutzt. Biodiversität liefert Vorbilder für den Einsatz der Bionik u. a. in der Medizintechnik, im Umweltschutz, in der Pharma- und Chemieindustrie sowie in der Energiewirtschaft.
Gesundheit
Menschen können ihre Gesundheit durch Arzneiwirkstoffe aus der Natur sowie durch die therapeutische Wirkung vielfältiger Natur verbessern. Heutzutage werden 121 bekannte Arzneiwirkstoffe aus Pflanzen extrahiert. Zusätzlich werden international 50.000 – 70.000 Pflanzenarten als Heilmittel im erweiterten Sinne benutzt.
Klimawandel
Je gesünder und vielfältiger das Ökosystem mit seinen Tier- und Pflanzenarten, Mikroorganismen, Algen und Pilzen in ihren Lebensräumen ist, desto besser kann es sich an verändernde Umweltbedingungen, wie z. B. durch die Auswirkungen des Klimawandels, anpassen.
Tourismus, Sport & Erholung
Das Erleben und der Zugang zu intakter Natur und Umwelt sowie schönen Landschaften ist insbesondere im Tourismus eins der wichtigsten Urlaubsmotive. Für den Tourismus, aber auch für das Ausüben von Sport und den Erholungswert in der Natur ist der Erhalt der Vielfalt an Lebensräumen sehr wichtig.
Maßnahmenprogramm für Darmstadt
Der Naturschutzbeirat des Stadt Darmstadt, in dem auch Vertreter*innen auf Vorschlag des BUND sowie weitere BUND-Mitglieder aktiv sind, entwickelte 2013 ein Maßnahmenprogramm „25 Schritte zur Biologischen Vielfalt in Darmstadt“. Ende 2013 wurde es sowohl der zuständigen Dezernentin als auch den Fachämtern vorgestellt und im Magistrat beschlossen. Anschließend wurde es in der Stadtverordnetenversammlung vom 15. März 2014 unter TOP 13. Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, Vorlagen-Nr.: 2014/0014 beschlossen. Es ist bis heute Grundlage für Beschlüsse des Magistrats zum Themengebiet Biodiversität und Stadtnatur in Darmstadt.
Sie können es sich hier als PDF herunterladen.
Die Checkliste für Bau- Sanierungs- und Pflegemaßnahmen umfasst neben der Grundlagenermittlung die Handlungsfelder Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich, Arten- und Biotopschutz, nachhaltige Nutzung, Bewusstseinsbildung und Kooperationsmöglichkeiten sowie Umsetzungs- und Erfolgskontrolle.
Biodiversitätspolitik auf kommunaler Ebene
Die Heterogenität der Problemlagen und Wechselbeziehungen in der Stadt, der Akteure und der Naturschutzziele erfordern grundsätzlich eine integrierte Sicht- und Herangehensweise. Daraus ergibt sich ein ungleich höherer Bedarf an Planung, Kommunikation und Abstimmung, sowohl verwaltungsintern als auch mit den Bürger*innen, Interessengruppen und den Naturschutzverbänden.
Diese nicht immer konfliktfreien Abstimmungen können Arbeitsprozesse verlängern, führen aber auch zu höherer Akzeptanz.
Biodiversität in der Stadt
Die Kommunen spielen angesichts ihrer umfassenden Aufgaben in Planung, Verwaltung und Politik eine Schlüsselrolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt. Sie können über Festsetzungen in der Bauleitplanung gezielt auf eine angemessene Siedlungsdichte, die Vernetzung von Biotopsystemen und eine siedlungsnahe Durchgrünung hinwirken.
2017 wurde Darmstadt Mitglied im Bündnis der Kommunen für biologische Vielfalt. Darin haben sich Kommunen zusammengeschlossen, die sich per Deklaration zur Biologischen Vielfalt verpflichteten und sich regelmäßig über das Erreichen der Ziele austauschen.
Die Beschreibung Darmstadts lautet hier:
„Darmstadt ist eine Stadt mit besonders hoher biologischer Vielfalt. Dies ergibt sich unter anderem aus der Lage im Schnittbereich von fünf naturräumlichen Haupteinheiten mit großer geologisch-klimatisch-hydrologischer Diversität.“
Akzeptanz braucht politischen Willen
Vorraussetzungen für erfolgreiche Akzeptanzschaffung ist vor allem der politische Wille, in Verwaltung und Öffentlichkeit dafür zu werben, mehr Natur zuzulassen und für die oft notwendige Weiterbildung und Umstellung in der Pflege von innerstädtischem Grün finanzielle Mittel bereitzustellen.
Naturschutz in der Stadt ist nicht kostenlos zu haben. Aber er ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit, gerade vor dem Hintergrund des fortschreitenden Artensterbens in Deutschland. Und auch im Naturschutzgesetz heißt es, dass Natur im unbesiedelten und besiedelten Bereich zu entwickeln und zu schützen ist.
Das Bundesamt für Naturschutz hat 30 Hotspots der Biodiversität ermittelt, das „sind Regionen in Deutschland mit einer besonders hohen Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume.“ Darmstadt ragt mit seinen westlichsten Teilen in einen dieser Hotspots hinein: Nördliche Oberrheinebene mit Haardtplatten.