Kreisverband Darmstadt
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Igel richtig aufnehmen und pflegen

Haben Sie sich nach reiflicher Überlegung dazu entschieden, einen kranken und schwachen (Jung-)Igel im Herbst bei sich aufzunehmen, gibt es einiges zu beachten.

Unterkunft

Igel haben empfindliche Ohren und mögen keinen Lärm oder Erschütterungen. Auch wegen ihres Schlafbedürfnisses tagsüber sollten sie  nicht im Wohnraum von Menschen gehalten werden.
Sie brauchen einen eigenen, warmen Raum (ca. 18 bis 20 Grad) mit frischer Luft und Tageslicht. Ein Gehege von ca. 2 qm aus ca. 40 cm hohen, glatten Brettern oder aneinander geklebten großen Kartons mit Schlupflöchern dazwischen ist das Richtige. Ein Meerschweinchenkäfig oder die Badewanne reicht nicht und ist Quälerei!

Achten Sie zudem auf Gefahren wie scharfkantige Gartengeräte, aufliegende Rohre, Wassereimer oder Ähnliches. Igel können erstaunlich gut klettern und sich auch ziemlich lang, flach und dünn machen. Das Gehege muss daher ausbruchssicher und hoch genug sein.

Das Zimmer-Gehege kann zum Beispiel mit alten Zeitungen ausgepolstert werden. Da Igel nicht stubenrein sind, müssen diese täglich gewechselt werden.

Nahrung

Igel frisst aus einem Napf Insbesonders kleine Igel mögen die Nahrung gerne zerdrückt und breiig.

Als Futter hat sich bei kurzem Aufenthalt Katzen-Dosenfutter, gemischt mit
handelsüblichem Igelfutter 2:1
und einer Prise Futterkalk, bewährt. Bei längerem
Aufenthalt führt dies jedoch zu Verfettung und Mangelerscheinung!

Im Zoogeschäft gibt es als Futtertiere für Terrarienhaltung gezüchtete Insekten,
die für Igel einen nahezu natürlichen Leckerbissen darstellen. Auch ab und zu ein
Mehlwurm kann nicht schaden.
Manche Igel mögen gekochtes Ei, gekochten Fisch und gekochtes oder gebratenes
Rinderhackfleisch oder püriertes Hühnerfleisch. Gemischt mit Katzenfutter eignen
sich diese Alternativen besonders zur schnelleren Gewichtszunahme.
Zu Trinken genügt Wasser, bei Durchfall Fencheltee.

Um Zahnstein vorzubeugen, kann ein abgekochter Hühnerflügel und etwas
Katzentrockenfutter zum Knabbern gegeben werden.

Rohes Fleisch oder Regenwürmer und Schnecken empfehlen wir nicht
zur Fütterung von Igeln im Haus – dadurch können Innenparasiten
eingeschleppt werden. Auch Milch sollte auf keinen Fall gegeben werden,
davon bekommen die Igel Durchfall!

Igelbabies (bis 150 g) oder Igel, die nicht fressen wollen, müssen mit
Nahrungsbrei aus der Pipette ernährt werden. Hier hilft das Tierheim
oder die Igelstation.

Pflege

Als Wildtiere haben die meisten Igel Außenparasiten wie Flöhe und Zecken. Zecken können mit einer Pinzette (sachgerecht durch den Tierarzt) entfernt werden. Sie sitzen gern hinter den Ohren und am Schwänzchen.
Nehmen Sie kein Flohpuder, der Igel könnte sich dadurch selbst vergiften. Behutsames Baden in handwarmen Wasser genügt, wenn es nur so vor Flöhen wimmelt.

Starker Befall durch Parasiten ist ein Zeichen dafür, dass der Igel krank ist. Bei Anzeichen von Husten oder grünlichem Durchfall, bringen Sie das Tierchen zum Tierarzt.

Hospitalismus vorbeugen

Igel haben in der Natur viel Abwechslung, die sie auch in menschlicher Pflege brauchen. Dazu eignen sich zum Beispiel ein Lederlappen oder Lederschuh, zusätzliche Papierschnipsel oder trockenes Moos, kurzgeschnittenes Heu oder Stroh zum Selbstbau des Nestes, ein zweites Schlafhaus oder eine flache Schale mit Grassoden, in der die Tiere nach bereitgestellten Mehlwürmern suchen können.

Sollte der Igel dennoch unter Hospitalismus leiden und stundenlang an einer Käfigseite auf- und ab laufen, muss das Gehege vergrößert und beispielsweise mit Kartons ein Labyrinth gebaut werden. Andernfalls kann er sich die Füße blutig laufen – das wäre Tierquälerei und keine Tierpflege.

Winterschlaf

Schlafhaus für Igel im Garten

Haben die Igel ihr Winterschlafgewicht von mindestens 500 g, werden sie unruhig und möchten in den Winterschlaf gehen. In der freien Natur ist das in der Regel Ende November der Fall, wenn es im Freien durchgehend ca. 5°C sind und die Tage kurz werden. Sie suchen sich dann einen frostsicheren Platz, tragen Laub und Nestmaterial zusammen und wickeln sich darin ein. Anschließend kommen sie bis Ende März/ Mitte April normalerweise nur jede Woche oder alle 14 Tage zum Trinken und Fressen zum Vorschein. In wärmeren Perioden wachen sie jedoch auf und laufen herum. Das ist bei unseren milden Wintern häufig der Fall.

Auch in menschlicher Obhut machen Igel Winterschlaf. Haben sie ihr hierfür notwendiges Gewicht erreicht, sollte man sie darum langsam an die Außentemperatur gewöhnen. Dazu gehört ein Gehege im Freien mit einem trockenem, frostgeschützten Schlafhaus. Hierfür kann man einen kleineren Karton in einen größeren Karton stellen, die Zwischenwand mit Zeitung polstern und den Boden dick mit Zeitung auslegen. Styroporhäuschen bewähren sich nicht bei Igeln, die sich einen zweiten Ausgang durch das Styropor wühlen wollen: Solche Igel bekommen besser das Kartonhaus mit zweitem Ausgang oder eine Holzkiste. Bei Plastikhäuschen bildet sich häufig Kondenswasser, so dass die Einstreu feucht ist und schimmeln kann. Auch das ist für Igel ungeeignet.
Als Nistmaterial hat sich Stroh oder Heu bewährt, von denen man einen Extrahaufen in das Gehege legt, damit sich die Igel ihr Haus selbst einrichten können. Verstopfen sie den Eingang zum Schlafhaus, wollen sie in den Winterschlaf gehen.

Auch im Winterschlaf-Gehege sollte immer frisches Wasser und Trockenfutter bereitstehen.

Richtig Auswildern

Igel im Gebüsch Wenn es möglich ist, so sollte man den Igel dort aussetzen, wo man ihn im Herbst gefunden hat. Das Revier kennt er, wenn er nicht zu klein war, und gewöhnt sich dort schneller wieder ein.

Selbst wenn der Pflegling im Spätherbst noch das Winterschlafgewicht von mindestens 500 g erreicht, kann er nicht sofort einfach ausgesetzt werden. Er findet Ende November kein Revier mit genügend Nahrung und Winterschlafplätzen mehr, in dem er im Winter überleben könnte. Das Aussetzen eines Igels, der längere Zeit im Haus gepflegt wurde, ohne Beifütterung, Schlafplatz und langsame Umgewöhnung an Temperatur, Luft, Geräusche und Muskeltraining führt häufig dazu, dass das Stacheltier zugrunde geht.

Der Igel erwacht im Frühjahr bei mildem Wetter zwischen Ende März bis Mitte April aus der Winterruhe. Dann braucht er ca. 14 Tage mit gutem Futter zur Kräftigung. In einem großen, naturnahen Außengehege können Muskeln und die Nahrungssuche trainiert werden.
Vor dem Auswildern sollte kontrolliert werden, ob das Tier gesund ist. Anschließend sucht man ein straßenfernes, igelfreundliches Revier mit gutem Nahrungs- und Unterschlupfangebot.
Der Igel wird zusammen mit seinem Schlafhaus und etwas Futter ausgesetzt. Nach wenigen Tagen wird er sich seinen eigenen Schlafplatz und sein eigenes Revier suchen.

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